Das Einkaufswagen-Problem

Von Rudolph Möshammer

Von meinem gestrigen Einkauf in einer namhaften Lebensmittel-Kette habe ich Interessantes zu berichten. Üblicherweise muß man zum Ausleihen eines Einkaufswagens einen Betrag von einem Euro oder 50 Euro-Cent hinterlegen, welcher automatisiert durch entsprechende mechanische Vorrichtungen am Einkaufswagen selbst entgegengenommen wird. Hat man keine passende Münze zur Hand, kommt man sich sogleich ziemlich borniert vor, denn auch eine mit Scheinen gefüllte Geldbörse hülfe einem in diesem Falle nicht weiter, einen der nützlichen Hilfswagen zu entleihen.

Dergleichen erging es auch mir am gestrigen Spätnachmittag: aus nicht näher bekannten Gründen befanden sich im Klein-Münzen-Fach meiner hochwertigen Leder-Geldbörse eine größere Menge an 10- und 20-Eurocent-Stücken, jedoch kein 50-Euo-Cent- oder 1-Euro-Stück, welches nach Beschriftung des Wagens wohl zwangsweise erforderlich sei.

Wagemutig traute ich mich, anzutesten, ob der automatische Einkaufswagen-Verleih-Klapperatismus auch ein 20-Euro-Cent-Stück akzeptiert, wenn man es nur ein wenig fester hineindrücke. Und – voilà – der Versuch war von Erfolg gekrönt, ich konnte so meinen Einkauf durchführen, dessen Rechnung ich am Schluß über ein elektronisches Bezahlsystem beglich.

Erwähnenswert ist weiterhin, daß der Versuch mit den 20-Euro-Cent-Münzen nicht bei allen namhaften Einkaufsketten von Erfolg gekrönt ist, deshalb sollte der geneigte Leser das im Vorfeld ausprobieren, um sicherzustellen, daß sich nicht auch dieser letzte Strohhalm zur Lösung des Problemes als nichtig herausstellt. Nichtsdestotrotz war es bei mir einfach Glück, das man mir auch mal gönnen sollte.

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10 gehaltvolle Beiträge zu “Das Einkaufswagen-Problem”

  1. Der Superhotte sabbelt:

    Herr Möshammer, ich möchte die Gelegenheit beim Schopfe packen und ihnen wirklich außerordentlich für diesen Erfahrungsbericht danken. Mir passieren solche Mißgeschicke häufiger, doch leider wußte ich nicht um die Functionalität eines leuchtenden Zwanzigers, wenn ich das mal so léger formulieren darf. Mir ward zwar schon von solchen Begebenheiten berichtet worden, doch war diese Information so kurz gehalten worden, daß ich sie für einen Spaß hielt.

  2. Rex Guildo sabbelt:

    Herr Möshammer, sie können sich auch meines vollsten Dankes sichersein, verdiente ich ja seit einiger Zeit meinen Lebensunterhalt damit, 50-Cent-Münzen in Einkaufswagen zu legen, um mir dann von älteren Damen diesen Wagen gegen Aushändigung eines Euros (“Sie brauchen den nicht reinzustellen, hier, nehmen sie meinen Euro”) freizugeben.

    Dank ihres Hinweises bin ich nun in der Lage, meinen Profit nochmals um 60% zu steigern.

    Deshalb nochmals meinen herzlichsten Dank!

  3. Mirtun D. Ayaweh sabbelt:

    Herr Möshammer, hiermit möchte ich Sie zu der in diesem Artikel genannten Entdeckung beglückwünschen und mich gleichzeitig für den darin enthaltenen Hinweis recht herzlich bedanken. Erst heute stand ich vor einem namhaften Lebensmittel-Geschäft und musste mit erschrecken feststellen, das in meinem Geldaufbewahrungsbehälter nicht das verlangte 1-Öhre-Stück vorhanden war. Verstohlen schob ich testweise ein 20-Hundertstel-Stück in den Wagen und siehe da, dem uneingeschränkten Einkaufsvergnügen stand nichts mehr im Wege. Famos!

  4. Dick R. Suck sabbelt:

    Potzblitz, sehr geehrter Herr Möshammer, ich denke, Sie haben ein weitverbreitetes Gesellschaftsproblem thematisiert und damit endlich aus der Verdammnis ans Licht der Öffentlichkeit gebracht.
    Ich selbst verwende üblicherweise noch becannte Restbestände an Deutschmarkmünzen, die ich teils aus nostalgischen Gründen, teils aber auch einfach zum Zwecke der Auslösung eines Einkaufswagens aufbewahrt habe, denn wie Sie sicher wissen, werden diese runden Metallfreunde weiterhin akzeptiert.
    Leider war ich gezwungen, derletzt mit einem anderen Fortbewegungsmittel den Tempel des Konsums aufzusuchen und war somit um meine Münze gebracht. Da ich weder 50 Eurocent noch 1 Öhre Stücke in meinem Geldaufbewahrungsbehältnis vorfand, habe ich kurzerhand die gekauften Waren auf meinem Arm transportiert.
    Mit Ihrem Praxistip wäre mir das sicherlich erspart geblieben.
    Seien Sie sich in diesem Sinne meines uneingeschränkten Dankes gewiss.
    Herzlichst, Ihr

  5. Rudolph Möshammer sabbelt:

    Herr Suck, mein herzliches Beileid zu der Tatsache, daß sie die Einkäufe auf dem Arm transportieren mußten. Bevor ich auf den Trick mit der 20-Eurocent-Münze kam, griff ich auch einmal zu diesem Ausweg. Leider hat das mein Einkaufserlebnis stark getrübt, um nicht besser zu sagen, traumatisiert, weil ich nur eine Untermenge der eingangs geplanten Produkte tragen konnte, und sich die von Newton entdeckte Gewichtskraft sich zudem stark zu meinem Nachteil auswirkte, um nicht schon fast zu sagen, mein Arm lahmte. Außerdem machte ich beim Umständlichen wiederaufnehmen der Waren nach dem Bezahlen eine sehr unglückliche Figur, und schwor mir fortan, daß mir so etwas nimmermehr passieren solle.

  6. Der Superhotte sabbelt:

    Herr Möshammer, also wirklich, Herr Möshammer! Ich bin be-gei-stert (bzw. nach der neuerlichen Schreibweise be-geis-tert). Als ich gestern wieder meinen kleinen Einkauf in einem örtlichen Traditionsunternehmen (bestehend seit 1888) tätigte, war ich hoch erfreut, als ich ihrem Hinweis folgend einen Stahlmantelwagen für Euro 0,20 auszulösen im Stande war. Wäre dies hier eine Heimeinkaufssendung im TV, ich würde sofort “Geben Sie mir diese Nummer!” in mein Kathodenstrahlröhrenvisionsgerät rufen.

  7. Der Superhotte sabbelt:

    Werte Herren, ich darf erfreut vermelden, dass ein Konsumentengefährt auch für den halben Preis eingelöst werden cann, der Aufwand ist äquivalent zum 0,20-E-Aufwand. Beim Versuch des Einlösens mit einem symbolischen Preis von 0,01 Euro scheiterte ich vorerst, ich werde aber am Ball bleiben.

  8. Der Superhotte sabbelt:

    Werte Herren, ich freue mich Ihnen mitteilen zu dürfen, daß Einkaufswagen mit den Münzpfandsystemen “Classic” und “Solid” des namhaften Herstellers Wanzl auch mit einer handelsüblichen 2-Eurocent-Münze ausgelöst werden können.

  9. Rudolph Möshammer sabbelt:

    Ich darf ihnen an dieser Stelle noch von einer netten Anekdote berichten:

    Eine im näheren Umkreis hinreichend becannte Person wird mittlerweile in einer namhaften
    Einkaufskette von allen Personen schief angeschaut.

    Der Grund dürfte darin zu suchen sein, weil er mehreren Personen einen Einkaufswagen mit einer eingelegten Karosseriescheibe angedreht hat, dafür aber einen Euro in Empfang nahm.

    Meine Damen und Herrn, das heise ich sehr klever. Dieses Vorgehen erlaubt ihnen, bei der allgegenwärtigen Kostenexplosion, wenigstens den Preis ihres Einkaufs um 1 EUR zu drücken, abzüglich des Preises der Karosseriescheibe, welche man sich aber günstig im 1000er-Pack in einer namhaften Elektronikbucht ersteigern cann.

  10. Benni Schart sabbelt:

    Werte Mitstreiter!
    Mit Freuden stelle ich fest, dass mein Netzstöberer-Keks auch nach dieser langen Zeit noch valide ist. Ich gedenke, in Zukunft diese redliche Netzlog-Seite wieder öfter mit meiner digitalen Gegenwart zu beehren.
    Zum Thema: Der 20-Cent Sachverhalt fiel mir selbst vor zwei Wochen bei einer Dependance der Gebrüder Albrecht auf. Aber die 2-Cent-Methode eröffnet völlig neue Möglichkeiten: Es wird Zeit, Zeichen zu setzen!
    Gehen Sie doch einmal mit einer Rolle 2-Cent-Stücke bewaffnet zum lokalen Spitzenmarkt und bestücken Sie den Parkplatz dekorativ mit jeder Menge Konsumwägelchen! Dieser Spass kostet sie nur 2 Euro für 50 Wagen, und damit setzen Sie ein Zeichen an die Betreiber, dieses überflüssige Pfandsystem besser wieder ganz abzuschaffen – Oder in bessere Mechanismen zu investieren, was eine Stange Geld (allerdings diesmal keine 2-Cent-Stücke) kosten dürfte…

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